Allgemeines
Das Messer zählt zu den wichtigsten Instrumenten, Kultsymbolen, Ritual- und handwerklichen Gegenständen des Menschen. Es ist ein Arbeitsgerät, das als Schneidwerkzeug dient und mit einer Klinge sowie einem Griffteil (Heft) versehen ist. Ursprünglich ein von seiner Funktionalität beherrschter Gebrauchsgegenstand, war das Messer Werkzeug, Haushaltsgerät und Waffe in einem, wurde ab dem 18. Jahrhundert zum wichtigsten Teil des Essbestecks und entwickelte sich im Laufe der Zeit zusätzlich zum Schmuck- und Kunstgegenstand sowie Tauschobjekt und sogar Zahlungsmittel. Bei Ausgrabungen wurden Messer vor allem an Orten der Nahrungszubereitung gefunden. Es gehört zu den wenigen Objekten, die weltweit in allen Kulturen des Homo sapiens vorkommen.
Die Gesamtheit der Messer wird zu den Schneidwerkzeugen gezählt, also neben jenen für Haushalt, Landwirtschaft und technische Anforderungen ebenfalls solche des persönlichen Gebrauchs sowie einige chirurgische Instrumente. Daneben gehören Macheten, Große Messer und Hirschfänger zu der Gruppe der Messer. Von Dolchen grenzen sie sich durch ihre einschneidige Klinge ab, von Schwertern und Säbeln durch ihre kürzeren Klingen und von Stangenwaffen wie Speeren, Lanzen und Spießen wegen ihres kürzeren Griffs.
Von jeher haben die Menschen jenen Gegenständen besondere Aufmerksamkeit gewidmet, die mit ihren Grundbedürfnissen verbunden sind. So besonders dem Messer, das sich zwar im Laufe der Geschichte in seinem Aufbau kaum veränderte, doch in Material, Form und Art von Klinge, Griff und Verzierungen je nach geschichtlicher Epoche, Herkunft und Nutzungsart variierte. Wegen seiner Nützlichkeit ist das Messer für die unterschiedlichen Gebrauchssituationen zu jeder Zeit und an jedem Ort vorhanden und bildete folgerichtig eine besondere Vielzahl von Variationen heraus
Aufbau
Aufbau und Material der Messer haben sich bis heute kaum verändert. Grundsätzlich besteht jedes Messer aus einer Klinge und einem Griff, auch Heft genannt. Jede Klinge hat eine Spitze, auch „Ort“ genannt und einen Grat, die scharfe Kante, von der letztlich die Schneidwirkung ausgeht. Der Grat ist die Kante der Schneide oder „Wate“, die in einem bestimmten Profil angeschliffen ist. Die der Schneide gegenüberliegende Seite ist der Messerrücken. Unterhalb des Messerrückens kann eine Hohlkehle Gewicht sparen und das Messer gleichzeitig stabilisieren. Das Ricasso ist der ungeschliffene Teil zwischen Griff (beziehungsweise Parierstange) und Schneide; es wird „Fehlschärfe“ genannt. Dies ist die Stelle, an der in der Regel die Signatur des Messerschmiedes oder der Manufaktur eingeschlagen wird, die sogenannte „Schmiedemarke“. Zwischen Klinge und Griff verhindert ein Handschutz das Abgleiten der Hand von dem Griff.
Die Klinge wird mit dem Erl (nicht zu sehen) am Griff befestigt. Eine eventuelle Verdickung am Griffende heißt Knauf, wobei die genauer beschreibenden Begriffe Beschlag, Griffniet, Klingenspiegel, Pommel oder Stifte verwendet werden. Bei einem Messer ohne Knauf bildet der Erl die Verlängerung der Klinge als Flacheisen. Der Griff besteht dann aus zwei Griffschalen, die (meist) aufgenietet werden. Das Bändsel, eine Schnur, dient der leichteren Handhabung des Messers. Form und Gestaltung der Klinge sind nur Nebenmerkmale, die typologische Hauptbedeutung liegt in der Form des Griffes, nach der die historischen Messer unterschieden werden.
Klinge
In der Hauptsache wird für die Klinge des modernen Messers Messerstahl verwendet, der sich je nach Zusammensetzung der Legierung durch spezifische Eigenschaften auszeichnet. Daneben gibt es metallische Klingen aus Titan- oder anderen nicht-eisenhaltigen Legierungen (wie Talonite oder Stellite). Klingen aus Schneidkeramik, meist aus Zirconiumdioxid, stellen keine wirkliche Alternative zu metallischen Klingen dar. Die Klingen sind zwar härter, aber nicht schärfer. Sie behalten diese meist geringe Schärfe zwar länger als Klingen aus Stahlwerkstoffen, jedoch überwiegen meist die Nachteile der geringen Schneidfähigkeit aufgrund extrem derber Schneidengeometrie und der fehlenden Nachschärfbarkeit für den durchschnittlichen Nutzer. Besonders von Nachteil ist die hohe Bruchanfälligkeit aufgrund ihrer extrem spröden Materialstruktur. Selten werden Kunststoffe verwendet, die vergleichsweise wenig schnitthaltig sind, so dass der Einsatz eingeschränkt ist. Ein Beispiel dafür ist Einweg-Partybesteck.
Ganz besonders hängt die Qualität einer Klinge von den Eigenschaften des verwendeten Stahls ab. Im Wesentlichen bestimmt bei traditionellen (vorindustriellen) Klingen der Kohlenstoffgehalt die erreichbare Härte des Stahls. Es gibt unterschiedliche Herstellungstechniken: das Raffinieren, wobei ein Material mit sich selbst verschweißt wird, um besondere Reinheit und Homogenität zu erreichen, und das Damaszieren. Die Damaszenerklinge besteht aus verschiedenen Stählen mit leicht unterschiedlichen Legierungsbestandteilen, was zu vielfältigen Mustern auf der Klingenoberfläche führt. Damaszener-Stahl war seinerzeit der Waffenherstellung vorbehalten und zunächst nur bei Schwert-, Säbel- und Messerklingen zu finden, die den Blankwaffen zuzurechnen sind. Dieser Stahl wurde zur Waffenherstellung verwendet weil er die guten Eigenschaften von weichen und harten Stahlsorten verband: Elastizität und Schnitthaltigkeit. Heutzutage gibt es Stahlsorten, welche die Vorteile des Damaszener Stahls ohne dessen Nachteile (ungleichmäßige Abnutzung) besitzen, so wird dieser nur noch aus künstlerischen und ästhetischen Gründen verwendet.
Bei besonderen Klingen wird zwei– oder mehrlagiger Stahl verwendet, der aus Schichten von zähem Eisen, Federstahl oder Werkzeugstahl bestehen kann. Bei manchen Klingen können die Muster, die bei der Fertigung entstehen, ein typisches Erkennungsmerkmal für eine bestimmte Technik sein.
Die Härte einer Klinge wird mit der Rockwellhärte (HRC) angegeben.
Bitte beachten Sie hierzu auch unsere MESSER-STAHL-TABELLE.
Feststehende Messer
Feststehende Messer verfügen über eine feste, meist durchgehende Klinge, die in der Regel mit einem Griff verbunden ist, etwa bei den meisten Küchenmessern. Kampfmesser und Dolche für die militärische Verwendung gehören ebenso dazu. Zu feststehenden Messern zählen die längsten Messertypen, wie zum Beispiel Bajonette von über 50 Zentimetern Länge. Durch die stabile Verankerung der feststehenden Klinge können diese Messer stärkere Querkräfte vertragen. Außerdem ist bei einem feststehenden Messer nicht die Gefahr gegeben, dass die Klinge, wie bei einem Klappmesser, bei extremen Belastungen aus dem Schloss bricht. Daher werden feststehende Messer aus Gründen von Stabilität, Sicherheit und leichterer Reinigung für viele Einsatzzwecke bevorzugt. Am stabilsten sind Integralmesser, bei denen der gesamte Messerkörper aus einem Stück Stahl geschmiedet wird.
Klappmesser
Bei Klappmessern (Taschenmesser) ist die Klinge beweglich, liegt zwischen zwei Wangen und kann mittels Daumendreh oder Fingerzug in den Griff eingeklappt beziehungsweise aktiviert werden. Manche Klappmesser sind besonders für den Gebrauch mit nur einer Hand konzipiert und werden Einhandmesser genannt. Gebrauchsklappmesser verfügen zum Schutz gegen ein unbeabsichtigtes Zuklappen oft über eine feststellbare Klinge, auch kann auf dem Messerrücken eine Sperre zur Messerverriegelung gelöst werden. Da der Schwachpunkt in der Drehachse der Klinge liegt, sind Klingenlängen bis maximal zehn Zentimeter üblich, wenn auch immer wieder vereinzelt große Klappmesser auf den Markt kommen. Zum Transport wird die Klinge in den Griff eingeklappt.
Quelle: Wikipedia, Böker